Ein Gedicht von Puschkin

Gestern Abend bei dem Lyriksalon in Freiberg habe ich das Vergnügen, gemeinsam mit jemand besonders in meinem Leben, gehabt, um Jens Winkelmann und Rita Zaworka (beide großartige Schauspieler in dem Mittelsächsischen Theater) etliche Gedichte von Alexander Sergejewitsch Puschkin leidenschaftlich vorgelesen zu bekommen. Zwischendurch gab es auch schöne milde Klaviernoten von Tschaikowsky als Pause-Musik.

Um Puschkin für mich zu erfahren habe ich ein Gedicht gefunden, das namenlos ist und von jemand unbekannt ins Deutsche übersetzt ist. Das Gedicht hat eine Qualität so wie Goethes “Das Veilchen” und hat mir deshalb berührend gefallen und ich erbringe aus Dankbarkeit für so einen schönen Abend und eine abenteuerliche und wunderbare Reise in einer anderer Literatur meine Lesung dieses Gedichtes.

Meine deutschsprachige Freunden und Freundinnen sind, wie immer, eingeladen, um mein Deutsch hier zu korrigieren.

Vergessen sah im Buch ich liegen
ein Blümchen, das den Duft verlor;
und seltsame Gedanken stiegen
in meiner Seele da empor:

Wo blühte es? in welchem Jahre?
Wie lange? und wer pflückt’ es ab?
Stak einem Mädchen es im Haare?
Warum fand es im Buch sein Grab?

Erinnerung an ein Wiedersehen,
an eines Abschieds Schmerzgewalt,
an einsames Spaziergehen
im stillen Feld, im dunklen Wald?

Ist sie noch seines Lebens Freude?
Wo sind sie nun, an welchem Ort?
Sind Glück und Leben schon für beide,
wie diese Blume hier, verdorrt?

—Alexander Sergejewitsch Puschkin (1799-1837)

Die Reue

Mein Gedicht zum Buß- und Bettag.

Die Reue

Die Reue gestalten sich als kleine Wolken,
die vor der Sonne ziehen,
und Schatten werfen,
die uns die Orientierungspunkten auf dem Landschaft der Zeit schenken.
Wenn wir sie auf unserer Zunge legen könnten,
wurde sie ein Nachgeschmack hinterlassen,
dass bitter fortbesteht.
Normalerweise finden wir sie nur mit dem Rückblick,
dort wo wir immer Gewissheit finden.
Ein Leben ohne Reue ist perfekt,
und ein Leben volle Reue vergeblich.
Als wir Reue in ein kleines Fläschchen tun könnten,
dann sollten wir immer eine kleine Prise auf den Brei des Lebens hinzufügen.
Zu wenig wäre fade,
zu viel wäre den Brei verderben,
und genau die richtige Menge
wäre das Gewürz des Fortschritts.

Urheberrecht © Quirina Roode-Gutzmer 2012.

Korrektur gelesen von Martin Dirk Stein.

Petrichor

Von wegen Regen
kommt der Geruch der Erde uns entgegen.
Das geschieht in der Regel
und manchmal
verschwinden wir sogar
danach in den Nebel,
ohne Segel,
aber nicht
meinetwegen.
Das ist phänomenal
und einfach wunderbar,
ein göttliches Wesen
ist es deswegen gewesen.

Copyright © Quirina Roode-Gutzmer 2012.
Alle Rechte vorbehalten.

“Petrichor is the name of Earth’s perfume when the tears of the gods drum a rhapsody on its dust.” —Quirina Roode-Gutzmer

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wand’re aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld,
hehres Glänzen, heil’ges Schauen!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigt’s wie wunderbares Singen  –
O du gnadenreiche Zeit!

von

Joseph von Eichendorff (1788 – 1857)

Ein Augustspaziergang

Mit meiner kleinen Tochter gehe ich spazieren.
Über so viel können wir diskutieren,
weil der Weg ist allerdings lang.
Sie sprach von Vögeln und Brombeeren …  am Anfang.

Der Gehrhythmus wiegt uns ins Meditieren.
Die Dinge die uns faszinieren
sind das Zirpen der Zikaden, das Rascheln der hohen Pappeln.
Wir wandern, wir lächeln. Die Schmetterlinge gaukeln.

Die warmen Sonnenstrahlen konkurrieren mit der kalten Luft.
Wir hüpfen vorbei an den immergrünen Koniferen. Wie schön ist der Duft.
Unsere Gedanken vertiefen sich. Sie in ihren. Ich in meinen.
Wir wandern, wir denken, aber kräftig bewegen sich die Beine.

Endlich sind wir am Ziel.
Sie macht das Tor auf. Sie schlieβt die Tür auf. Das ist kein Spiel.
Freu! Der Hase kriegt endlich saftige knusprige Salatblätter.
Wir genieβen den Moment. Wir genieβen das Gefühl von Herbstwetter.

Jetzt auf dem Heimweg zurück.
Die Strecke ist auf keinen Fall kurz. Aber wir haben Glück.
Und wir gehen langsam, aber ohne beschweren.
Sie singt ihre eigenen Kehrreime und wir spazieren.

Ihre kleine Hand habe ich in der meinen.
Spaβ hat sie zu balancieren auf den Steinen.
Wie schön sind diese Momente. Dasein.
Sie ist mein kleiner Sonnenschein.

von

Quirina Roode-Gutzmer

29 August 2009

(Korrekturgelesen von Martin Stein 6 October 2011)